Interview mit Jörg Albertz – Präsentiert von der Fußball-Woche

Jörg Albertz gewann 2017 mit Borussia Mönchengladbach das AOK Traditionsmasters, nun kehrt er mit dem schottischen Rekordmeister aus Glasgow zurück.

Kaum jemand hatte in den 90er-Jahren so eine „linke Klebe“ wie Jörg Albertz (46). Die hat der gebürtige Mönchengladbacher für den Hamburger SV und Fortuna Düsseldorf in 150 Bundesligaspielen eingebracht und dann auch für die Glasgow Rangers ausgepackt. Die Bravehearts geben beim AOK Traditionsmasters ihr Debüt und wollen dabei von der Erfahrung ihres „German Boy“ profitieren.

Was sagen Sie heute jemandem, Herr Albertz, der Sie mit „The Hammer“ anspricht?

Darüber freue ich mich. Es ist doch interessant, dass mich die Leute noch unter diesem Spitznamen kennen. Nur ist es mit meiner Schusskraft nicht mehr so wie vor Jahren, dazu sind meine Knie nicht mehr stabil genug.

Der ungeheure Bums in Ihrem linken Schussbein war doch Ihr Markenzeichen, das Sie sogar zu drei Länderspielen unter Berti Vogts geführt hat.

Leider nur zu dreien, muss ich heute sagen, es hätten gern mehr sein können. Aber es war auch eine Zeit riesiger Konkurrenz, wenn ich auf meiner Position nur an Christian Ziege und auch Jörg Heinrich denke. Immerhin aber darf ich mich wenigstens Nationalspieler nennen.

Hat man schon zu Ihrer Zeit die Geschwindigkeit der Bälle bei den Schüssen gemessen?

Ja, und zwar gibt es da eine ziemlich lustige Geschichte. Als Adidas einen neuen Schuh herausbrachte, hat man das in einem Fernduell gemessen, hier ich und an einem anderen Ort der Holländer Ronald Koeman, der auch einen gewaltigen Schuss hatte.

Mit welchem Ergebnis?

Ich lag knapp vorn, mein Schuss wurde mit 133 km/h gemessen, Koeman hatte es auf 130 km/m gebracht.

Packen Sie Ihren Hammer nur noch in der Halle aus oder auch noch auf dem Feld?

Sowohl als auch, ich spiele ja für die Weisweiler-Elf, das Traditionsteam von Borussia Mönchengladbach. Viele wissen gar nicht mehr, dass ich auf dem Bökelberg groß geworden bin, ich war dort zehn Jahre und zuletzt Vertragsamateur. Es gibt noch viele Spiele. So lange die Knochen mitmachen, mache auch ich mit, weil es ja auch eine dritte Halbzeit gibt…

Mit der Weisweiler-Elf haben Sie das AOK Traditionsmasters 2017 gewonnen, nun kommen Sie mit den Glasgow Rangers zurück. Wie ist es dazu gekommen?

Weil jedes Jahr ein ausländisches Team mitspielt, hatte es im Vorjahr einen Besuch von den Rangers, aber auch von Celtic Glasgow gegeben. Da haben mich die Rangers gefragt, wenn sie denn kommen, ob ich für sie spiele. Das hat gepasst.

Die Rangers, der Ibrox Park, die Derbys gegen Celtic – was ist das für ein Gefühl, Teil dieser Tradition zu sein?

Eines, das nur schwer in Worte zu fassen ist. Es ist ein Genuss, dort als Spieler aufzulaufen, vor allem auch in den Derbys gegen Celtic. Ich habe mit den Rangers auch Spiele in der Champions League gegen Bayern München bestritten, aber an die Derbys kommt nichts heran, die sind Gänsehaut pur und ein einziger Traum. Außerdem habe ich bei den Rangers mit Paul Gascoigne gespielt und mit Brian Laudrup, so etwas vergisst man nicht.

Weil Sie das aus Ihrer Zeit beim HSV kennen – sind die Derbys dort gegen St. Pauli irgendwie mit denen in Glasgow vergleichbar?

Natürlich sind Spiele des HSV gegen St. Pauli, Dortmund gegen Schalke oder in Berlin Hertha gegen Union tolle Derbys, aber an das in Glasgow kommt nichts heran. Das dort ist ja auch Religion, wobei mich nur das Sportliche interessiert hat. Aber bei der Atmosphäre dort, bei den Fans ist jeder über die Schmerzgrenze gegangen.

Wer wird denn in Berlin an Ihrer Seite spielen?

Ich hatte sehr auf Gennaro Gattuso gehofft, den italienischen Weltmeister von 2006. Er wäre sehr gern wieder nach Berlin gekommen, den Ort seines größten Triumphes. Aber er ist jetzt Trainer des AC Mailand und kann schlecht mal herdüsen. Gewiss werden einige Holländer kommen, damit wir eine Chance haben, denn mit der Halle und auf kleinstem Raum haben es die Schotten nicht so. Mal sehen, was wir so reißen können.

Dafür können Sie sich aber sicherlich auf die Unterstützung aus der Fankurve verlassen.

Die Rangers haben viele Fans, vielleicht kommen auch welche in die Schmelinghalle. Das wäre dann mit dem Hertha- und dem Union-Fanblock beste Unterhaltung.

                                                                              Interview: Andreas Baingo

content-single.php